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Redemanuskripte

- Es gilt das gesprochene Wort -

1. Tagung des 7. Parteitages der Partei DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
Stadthalle Burg, am 29. Juni 2019 

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Genossinnen und Genossen.

Warum wir uns seit den Landtagswahlen 2016 noch nicht erholt haben und jetzt wieder Federn lassen mussten, hat der Landesvorstand mit den Kreisvorsitzenden und dem Landesausschuss bereits diskutiert. Ihr habt das in den verschiedensten Kreis-, Basis- und Mitgliederversammlungen in weiten Teilen auch bereits getan. Heute wollen und müssen wir das aber auch hier auf unseren Parteitag machen.

Die vergangenen Wahlen haben zu Ernüchterung geführt und wenn man das weiter denkt, müssten wir uns auf der Suche nach den Schuldigen begeben.

Das kann man machen, hilft uns aber kein Stück weiter und es hilft uns vor allem nicht weiter, wenn wir das Land nicht der CDU überlassen wollen, die da gerade von schwafelt, dass man doch das nationale mit dem sozialen wieder verbinden muss und nicht mehr nur rechts blinkt, sondern schon lange rechts abgebogen ist.

Vor allem aber wollen und werden wir das Land nicht der AfD überlassen.

Die AfD hat sich zwar eingerichtet, aber ihr Feld ist eingegrenzt und nicht beliebig erweiterbar.
Die Unbelehrbaren bleiben unbelehrbar, aber die Widerständigen werden mehr und in ersten Ansätzen klüger.
Die Verluste von CDU und SPD sind übrigens gesellschaftlich gravierender als unser Rückgang.
Gerade die CDU galt als Garant der Besitzstandswahrung (im Westen natürlich mehr als im Osten) und nun erhält sie die Quittung für ihre Politik nach dem Prinzip »Uns gehört das Land, die Stadt, das Dorf, das Amt, usw.«.
Was war bzw. was ist nun eigentlich unser Problem. Wie ist unsere Problemlage? Was lief und läuft schief?
Dazu zitiere ich mal etwas länger aus einer E-Mail, die ich kurz nach den letzten Wahlen erhalten habe und die aus meiner Sicht einige Dinge gut beschreibt bzw. darlegt:

»Ich wähle zwar immer euch. Aber trotzdem hat man auch bei euch das Gefühl, dass überhaupt noch irgendjemanden die arbeitenden Menschen interessieren. Die versinken zunehmend in übertriebenem Stress und haben Chefs die im Groko-Stil, bei egal welchem Thema, das „Alles muss so bleiben, gar nichts darf sich verändern und du hältst deine Fresse-Diktat“ fahren. Es dominieren bei euch auch Symptombekämpfungsdebatten, anstatt an die Wurzel zu gehen.
Werbt doch mal offensiv mit der 30 Stundenwoche als neue Vollzeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
Werbt doch mal offensiv mit einer bundesweiten Vergesellschaftung-Welle.

Und wenn ihr uns junge Leute auch mal abseits vom Thema Klima ansprechen wollt, ja dann setzt doch mal in provokanter Art und Weise das Thema Chef vs. Mitarbeiter auf eure Fahne. Und dann bitte nicht in der Ausdrucksweise ultralangweilig von „Demokratie im Betrieb“ sprechen, sondern eher so etwas in die Richtung: „Dein Chef hat mal wieder keinen Bock auf deine Meinung und eine ehrliche Diskussion? Wir schon. DIE LINKE.“
Ihr müsst die Gefühle bei solchen Themen auch mal provokant und reißerisch aufgreifen und nicht immer nur so langweilig alles korrekt ansprechen. Oder auch das Thema völlig überfüllter ÖPNV in den Großstädten.
Es gibt doch so viele Themen die alltägliche alle Menschen ankotzen. Man das wisst ihr doch. Was ist denn mit euch los?

Ich weiß, ihr werdet jetzt sagen: „Aber das machen wir doch.“ Darauf sage aber ich, ja aber nur manchmal und nur vielleicht und nur leise und heimlich, so wirkt es zumindest.
Außerdem ist es ein großer Fehler sich immer nur als Fürsorgepartei zu geben und sich „um die Probleme kümmern“ zu wollen.
Selbst der Lohnabhängige der für den beschissensten Hungerlohn schuftet, sieht sich meist nicht als Bedürftiger oder jemanden der „versorgt“ werden will oder muss.
Und Rechten entzieht man doch nicht den Boden, indem man in der Öffentlichkeit immer wieder nur verbal betont, wie schlimm sie sind, sondern indem man ihnen den materiellen Boden entzieht.
Ein Lohnabhängiger der ein gutes Leben führen kann und in der Arbeit mitbestimmen kann, wie es zu laufen hat, kommt deutlich weniger in Bedrängnis sich einen schnellen Sündenbock in Form von Migranten zu suchen.“

Nun ich denke, da ist eine ganze Menge richtig und diskussionswürdig. Darüber sollten und müssen wir nachdenken und vor allem Schlussfolgerungen ziehen und das ganz schnell, denn bis 2021 ist es nicht mehr lange hin.

Liebe Genossinnen und Genossen.
Die Wahlergebnisse waren enttäuschend, aber das ist kein Grund aufzugeben.
Vielmehr hat es uns gezeigt, dass wir als Partei die Kernthemen nicht vernachlässigen dürfen und es an der Zeit ist, hier noch aktiver zu werden.
Wir müssen und wollen aktiver werden, weil wir in diesem Land etwas verändern wollen. Das macht man nicht mit einer zurückhaltenden Partei.
Wenn wir dieses Land verändern, verbessern und gestalten wollen, braucht es Mut, Kraft und eine ganze Menge Elan liebe Genossinnen und Genossen.

Ich will euch einige Beispiele nennen, die mir wichtig sind:

Als erstes Thema will ich euch nennen, für das es sich lohnt zu kämpfen, ist unser UR- und Kernthema: die soziale Gerechtigkeit bzw. das Soziale.
Wir sind damit in letzter Zeit zu wenig durchgedrungen, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, in der die soziale Gerechtigkeit eher ab- als zunimmt.
Kinderarmut ist weiterhin ein Riesenproblem in Sachsen-Anhalt und Altersarmut wird eines werden bzw. ist bei vielen die jetzt in Rente gehen bereits angekommen.
Auch Alleinerziehende, Menschen mit geringerer Bildung und Migrantinnen und Migranten sind häufiger als andere von Armut betroffen.
Hinzu kommt eine Arbeitswelt, die auf soziale Bedürfnisse absolut keine Rücksicht nimmt.

Und zweitens will ich euch nennen.
Während AfD und sogenannten besorgte Bürger nur mit einer dumpfen fremdenfeindlichen Rhetorik auf sich aufmerksam machen, wird das gesellschaftliche Klima zunehmend radikaler und aggressiver.
Ich sage ganz deutlich: Nicht Flüchtlinge oder Migranten sind eine Gefahr für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt, nein! Wenn fremden- und menschenfeindliche Exzesse und Gedankengut in Deutschland wieder hoffähig werden, dann sind unsere demokratischen Werte in Gefahr, und zwar ganz grundsätzlich.

Liebe Genossinnen und Genossen.
Es gibt noch eine ganze Menge zu tun für uns in Sachsen-Anhalt.
Da habe ich von Wirtschaft und Arbeit noch gar nicht gesprochen.
Ich habe noch nichts gesagt zu den gewaltigen ökologischen Herausforderungen und zum Strukturwandel. Strukturwandel übrigens nicht nur in der Braunkohle, sondern auch in der Automobil- und Energieindustrie.
Hier müssen wir klare linke Positionen einbringen um Sachsen-Anhalt wirklich zu einem sozialen Sachsen-Anhalt zu entwickeln.

Aber jetzt stellt sich die Frage, wie schaffen wir das?

Ich glaube es geht nur, wenn wir uns insgesamt selber verändern.
Was ich meine ist eine Erneuerung der Partei in Gänze und das betrifft z.B. folgende Punkte:
- In der Vergangenheit haben wir vom Einsatz vieler Mitglieder gelebt, inzwischen sind diese aber deutlich älter geworden.
- Wir konnten ziemlich fest auf eine starke Ostverankerung bauen.
- Wir waren eine Partei die auf starke und prominente Persönlichkeiten setzen konnte.
- Wir waren eine feste Bank in den verschiedenen Wahlkämpfen.

All das ist jetzt anders bzw. hat sich verändert und damit müssen wir umgehen und somit uns verändern!

Liebe Genossinnen und Genossen, zu tun gibt es also genug für uns.
Und nun komme ich zu dem, was ich inzwischen als eine doch große Herausforderung beschreiben würde: Die Arbeitsteilung, dass die Fraktion im Landtag die Landespolitik bearbeitet und der Rest sich lieber um alle anderen Politikfelder kümmert, müssen wir überwinden! Wenn man sich so umhört, kommt an erster Stelle vor Ort immer die Kommunalpolitik, dicht gefolgt von Bundesthemen – dann kommt lange nichts, dann Landespolitik und danach noch irgendwo weit weg Europa.
Das wirkt sich aus – bis tief in unsere Anhängerschaft: Und es prägt die Wahlergebnisse: Im Land hängen wir immer unmittelbar am Stimmungstropf der Bundespartei.

Auch hier, liebe Genossinnen und Genossen, müssen wir umsteuern.

Aber unsere Ideen müssen auch zur Kenntnis genommen werden können. Weder Beschlüsse eines Parteitags oder lange Strategiedebatten, noch die Initiativen der Landtagsfraktion kommen automatisch zur Geltung. Auch nicht in der eigenen Partei.
Eine Partei kann nur dann Erfolg haben, wenn eine eigene Perspektive die Menschen anspricht. Und dazu muss man die Konzepte nicht nur haben, sondern wir müssen auch darüber reden und uns einbringen.

Liebe Genossinnen und Genossen, dies aufzubauen geht nicht in wenigen Monaten.
Aber es geht, wenn wir uns über der Richtung einig sind, Schritt für Schritt.
Das, ich nenne es einmal das Arbeitsprogramm für die Schritte des Landesverbands in diese Richtung, liegt euch im Leitantrag schriftlich vor. Ich werde mich daher auf einige wenige Hinweise beschränken.

1. Stärkung der kommunalen Basis.
Hier gilt es, von den erfolgreichen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker zu lernen. Da haben wir ein enormes Potenzial, denen die Menschen ihr Vertrauen geschenkt haben. Mit Ihnen müssen wir uns eng abstimmen, um die Landtagswahlen 2021 optimal vorzubereiten.
Es gilt, Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen. Wir müssen daher in Zusammenarbeit mit den Kreisverbänden mit jedem Ortsverein den Kontakt intensivieren, um den Bedarf an Unterstützung zu erfahren. Die politischen Initiativen im Landtag, Bundestag und im Europaparlament müssen wir, wo immer das thematisch geht, so aufbereiten, dass sie für die Arbeit in den Städten, Gemeinden, Dörfern und Kreistagen nutzbar sind.

2. Zentralen politische Themenfelder bestimmen.
Ich schlage euch vor, dass wir uns inhaltlich auf folgende Themenschwerpunkte konzentrieren:
soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz angehen, Menschenwürde und Demokratie verteidigen, ländlicher Raum,
Lebensleistung in Ostdeutschland anerkennen und natürlich Frieden.

3. Mitglieder gewinnen und Mitglieder pflegen
Wir wollen und müssen wieder mehr Mitglieder gewinnen. Keine Rede ohne die Einladung zum Mitmachen!

4. Schärfung des personellen Profils
Es ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, Talente in unseren Reihen zu fördern. Wir haben doch nicht zu viel an profilierten Köpfen in der öffentlichen Wahrnehmung! Und ich will, dass jeder und jede stolz ist, wenn ein anderer öffentlich positiv in Erscheinung tritt. Jede und Jeder einzelne, der sich positiv mit einem Thema in Szene setzt, bewirkt Gutes für uns alle!

5. Wir brauchen noch mehr Konfliktfähigkeit.
Wir müssen mit der CDU und erst recht mit der AfD hart ins Gericht gehen. Wir dürfen aber auch Konflikte mit den Grünen und der SPD nicht scheuen. Vor allem dürfen wir uns aber in der eigenen Partei nicht scheuen, Konflikte zu einer Lösung zu bringen.

6. Wir brauchen mehr Mut, Charme und auch mehr Witz und Ironie.
Hören wir bitte damit auf immer so hölzern und verstockt zu sein. Etwas mehr Charme, Witz und Ironie sowie etwas mehr Gelassenheit bringen uns sicherlich deutlich weiter.

Lasst uns die Debatte über den richtigen Weg unserer Linken in diesem Sinne führen:
Mit der Gelassenheit unterschiedliche Meinungen gelten zu lassen und nicht dogmatisch. Mit dem Wissen, dass jede Zeit ihre eigenen Antworten braucht – und dass gute Antworten nur dann entstehen, wenn wir darauf hören, was andere sagen und nicht dadurch, dass wir Ihnen unlautere Absichten unterstellen.
Wir alle arbeiten für den Erfolg der Linken. Wenn wir verschiedene Meinungen haben, wie dieser Erfolg zu erringen ist, dann ist das gut. Aber der Platz, dass zur Sprache zu bringen, ist in der Partei. Hier z.B. auf dem Parteitag oder in den Ortsvereinen, Kreisverbänden, in den Gremien der Partei und in den Fraktionen.

Liebe Genossinnen und Genossen: Hier – und nicht in den Medien und nicht über anonyme Botschaften.
Ich will hier deutlich unterscheiden, worum es geht. Ich habe Verständnis für diejenigen, die bei einer schlechten Stimmungslage in der Partei inhaltliche und personelle Verbesserungen fordern. Es ist auch legitim, wenn die Partei Personaldiskussionen führt. Die Gremien und der Parteitag sind der Souverän, die dann darüber beraten und entscheiden. Ich rufe deshalb jeden auf, der Kritik oder alternative Vorschläge anbringen möchte, dies heute zu tun, hier und jetzt. Aus jeder offenen Diskussion, ob inhaltlich oder personell, wird die Partei gestärkt hervorgehen.
Ich werbe dafür, dass Sachlichkeit und Offenheit auch in Zukunft die Grundlage unserer Arbeit bleiben.
Ich werbe dafür, dass wir nach den Entscheidungen des Parteitags mit Geschlossenheit und Überzeugungskraft unsere politischen Ideen entwickeln, vermitteln und dort umsetzen, wo wir die Möglichkeiten dazu haben.
Ich werbe dafür, die Grundlagen zu schaffen, um selbstbewusst in die Wahlkämpfe gehen zu können und den Bürgerinnen und Bürgern sagen zu können: Die Linke ist die Partei der Zukunft und der sozialen Gerechtigkeit, Wir sind eure Partei.
Wir müssen und wir werden wieder stärker werden. Wir müssen und können gewinnen und das dann auch ordentlich feiern. Darauf freue ich mich schon. Denn wie man bei mir auf dem Dorf sagt: Lieber einen dicken Kater nach der Siegesfeier als nur Katerstimmung nach der Trauerfeier!
Ich danke Euch.

1. Tagung des 7. Parteitages der Partei DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
Stadthalle Burg, am 29. Juni 2019 

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Genossinnen und Genossen,
als ich als Schüler 1991 in Hettstedt, in meiner Heimat dem Mansfelder Land, in unsere Partei eintrat, war ich 17 und links. Helmut Kohl war Kanzler und beeindruckte mich wenig. Richtig abstoßend fand ich aber die Wendehälse vor der Haustür. Wer mich anzog waren, Leute mit Haltung, die zu ihren Ideen und Idealen standen. Diese Begegnung mit einer Generation, die nach der Niederlage des Staatssozialismus die Flinte nicht ins Korn warf, hat mich geprägt.

Liebe Genossinnen und Genossen,
es ist mir ein großes Bedürfnis, gerade diesem Tag, wo ich mich hier um ein hohes Amt der Partei bewerbe, die Arbeit dieser Generation, der wir so viel zu verdanken haben, zu würdigen. Sie haben sich in Zeiten, in denen uns so viel Verachtung und Ausgrenzung entgegenschlug, der Verantwortung gestellt und dafür gesorgt, dass wir wieder eine geachtete Partei geworden sind.

Es ist die Generation, der ich mich als junger Genosse verbunden fühlte, weil sie die Idee repräsentierte, die Gesellschaft durch eigene Taten besser zu machen. Nicht mit den Füßen in der Wolke, sondern mit dem Gesicht zum Volke – wie es Gerhard Schöne einst besang.

Es ist die Generation, der ich danken will. Es sind Petra und Roland, Rosi und Wolfgang, Günter, Heike, Jutta, Sabine Jörg, Roswitha, Achim, Martin, Monika, Helga und Peter – (ich nenne hier ganz bewusst nur Vornamen, damit sich viele angesprochen fühlen können) ohne Euch wären wir heute nicht hier. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein.

Ich habe mich damals in Hettstedt für das Praktische, das Konkrete in der Politik und nicht für eine akademische Laufbahn entschieden. Meine Universität war sozusagen das Kreiskrankenhaus Aschersleben, in dem ich eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte. Ich habe mich für die tägliche Kleinarbeit entschieden, für den Aufbau einer der erfolgreichsten Jugendgruppen der PDS, den Rotfüchsen, ich habe mich für die Arbeit im Stadtrat unserer Kommune entschieden. So habe ich meinen Begriff von Politik gefunden.

Denn was ist Politik, liebe Genossinnen und Genossen? Was ist Politik, ausgedrückt in einem einfachen und allgemeingültigen Satz? Politik ist, sich für andere Menschen einzusetzen. Punkt.

Ein Satz aber, den sicherlich auch Mitglieder anderer Parteien für sich in Anspruch nehmen dürfen. Denken wir zum Beispiel an einen berühmten Nachwuchspolitiker, der uns jüngst einen grandiosen Vorschlag zur Altersvorsorge präsentierte: Die Leute müssten einfach mehr Aktien kaufen.
Ihr habt es sicher schon erraten, es geht um den CDU-Sozialexperten Friedrich Merz. Die allermeisten Menschen in Sachsen-Anhalt haben keine Aktien. Sie werden sich für den Rat von Merz herzlich bedanken. Aber Merz setzt sich schließlich auch für andere ein. Für den Finanzinvestor Black-Rock, um genau zu sein. Dies zeigt, auf welchen Hund diese Republik gekommen ist. Denn in der deutschen Politik treiben sich immer mehr Leute herum, die nichts anderes mehr können, nichts anderes mehr wollen, als der verlängerte Arm exklusiver Kapitalgruppen zu sein.

Doch diesen Leuten schlägt ein neuer Gegenwind ins Gesicht. Ein Wind, der uns den Rücken stärkt und sie verunsichert. Denn die Debatte um neue Formen des Gemeineigentums, bis hin zur Enteignung von Immobilienkonzernen hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Der Kapitalismus wird nicht mehr nur von den üblichen Verdächtigen infrage gestellt, sondern bis weit in die Mittelschicht. Da helfen auch keine ideologischen Stoppschilder mit DDR-Verweis mehr.

Liebe Genossinnen und Genossen,
es ist schon erstaunlich: Wenn es um die Missstände, die Misswirtschaft, das Markt- und Staatsversagen in der Bundesrepublik und hier in Sachsen-Anhalt geht, will die CDU lieber über die DDR oder Venezuela reden. Diese abgestandene Propaganda ist doch nicht mehr ernst zu nehmen.

Das ist nichts weiter, als der billige Versuch, politisch Schmiere zu stehen – für den Erhalt des Niedriglohnsektors, für Drecksfirmen, die ihre Beschäftigten schlecht bezahlen und behandeln, für die Selbstbedienungsmentalität der Manager der DAX-Konzerne.

Ich sage: Wir brauchen in diesem Lande eine Politik, die Partei ergreift für die wirklichen Leistungsträger der Gesellschaft, für die Arbeitnehmer, für Unternehmer, die ihre Leute anständig behandeln und bezahlen, für die Kreativen, die ohne ausreichende soziale Absicherung da stehen.
Was wir in Deutschland nicht mehr brauchen, sind Konzerne wie die Deutsche Wohnen, sind profitgetriebene Krankenhaus- und Pflegeunternehmen, die sich eher um ihre Börsenkurse als um ihre Mieter und Patienten, Krankenschwestern und Pfleger kümmern.

Aber mit Marx sage ich auch: Eine moralisierende Kapitalismuskritik reicht nicht. Deutsche Wohnen und Ameos können so agieren, wie sie es tun, weil neoliberale Politik ihnen den rechtlichen Rahmen für ihre zweifelhaften Geschäftsmodelle geliefert hat.
Wenn wir dies ändern, stimmt deren Rendite nicht mehr, und sie können sich am Markt nicht mehr halten.

Aber was heißt das nun für eine sozialistische Partei?
Wer ernsthaft in einer Vergesellschaftungsdebatte bestehen will, die sich nicht in Bekenntnissen a la Habeck und Kühnert erschöpft, der muss auch konzeptionell in der Lage sein, neue gemeinwohlorientierte Unternehmensmodelle zu entwickeln. Die Stärkung des öffentlichen Sektors und der Kommunalwirtschaft ist für mich dabei ein entscheidender Punkt, wenn es um eine Erneuerung des Sozialstaates in Deutschland geht.

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir brauchen einen Dialog über die Zukunft des Sozialstaates in Deutschland und Sachsen-Anhalt. Ich habe dazu mit anderen Mitstreitern aus unserem Landesverband ein Diskussionsangebot gemacht, dass sich ausdrücklich auch an unsere Kollegen in der SPD, den Grünen, den Sozialverbänden und Gewerkschaften richtet. Ob es gelingt, einen solchen Dialog zu entwickeln und überzeugende politische Alternativen zur neoliberalen Politik der zurückliegenden Jahrzehnte zu schaffen, ist offen.

Klar ist allerdings, dass weder wir, noch die SPD und auch trotz ihrer neuen Stärke nicht die Grünen, allein dazu in der Lage sind.
Unsere Wähler erwarten jedoch eine Durchsetzungsperspektive für progressive soziale und ökologische Projekte, für Bürgerrechte und Geschlechtergerechtigkeit. Es ist deshalb an der Zeit, dass alle, die diesen Zustand verändern wollen, über ihren Schatten springen und sich verständigen, was sie gemeinsam tun und bewirken können.

Ein Dialog über progressive soziale und ökologische Politik, sollte auch klar die Differenzen und unterschiedlichen Rollen anerkennen, die die Partner ausmachen. Ich werbe für einen Sozialstaatsdialog in Sachsen-Anhalt, der sich nicht auf Parteien beschränkt. Wir müssen einen Dialog in die Gesellschaft transportieren.
Denn unsere wichtigsten Bündnispartner sind die Menschen da draußen, in den Städten und Dörfern!

Und wir sollten eines nicht vergessen, liebe Genossinnen und Genossen, wer heute für die Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit streitet, für den sollten die Interessen des ländlichen Raumes, ganz oben auf der Agenda stehen. An dieser Stelle danke ich auch Andreas Höppner, der diesen für uns programmatischen Anspruch immer hochgehalten hat.

Liebe Genossinnen und Genossen,
wer heute über die Perspektive des Sozialstaates spricht, muss sich den Herausforderungen der Klimaschutzpolitik reden.
Ich teile die Position von Thomas Lippmann, dass „es heute im Großen wie im Kleinen keine wichtige politische, wirtschaftliche und soziale Frage gibt, die nicht auch einen Klimaschutzaspekt hat.“ Das wichtigste Transformationsprojekt in Sachsen-Anhalt ist der mit dem Kohleausstieg verbundene Strukturwandel, der 5 Regionen mit ca. 900.000 Einwohnern betrifft. Er bildet für alle politischen Kräfte, des Landes eine Achse, an der sie ihre Konzepte ausrichten müssen.

Liebe Genossinnen und Genossen,
als ich gefragt wurde, ob ich für den Vorsitz kandidiere, habe ich mir die Antwort nicht leicht gemacht. Denn eine solche Entscheidung will nicht nur im Kreis politischer Weggefährten besprochen sein, sondern auch mit der Familie. Und als Familienmensch, der gerne Zeit mit seinen Kindern verbringt, ist man hier automatisch in einer Zwickmühle. Na ja, hätte meine Frau dem Ganzen nicht ihren Segen gegeben, würde ich jetzt nicht hier stehen. Ist ja klar.

Doch nun will ich über meine Vorstellungen für das Amt des Landesvorsitzenden sprechen. Ich kandidiere, weil ich unsere Partei zu einem starken Ergebnis bei den nächsten Landtagswahlen führen will.
Das geht nur, wenn wir ehrlich analysieren, wo wir stehen und was wir ändern müssen. Es wird niemand vorbeikommen, der uns das abnimmt. Führen heißt, sich den Problemen stellen und nicht zurückzuweichen. Führen, heißt vor allem unterstützen, bestärken, zuhören und Menschen, die etwas bewegen wollen, zusammenzubringen. Es heißt, andere zu überzeugen, mitzumachen. Es heißt, sich einen nüchternen Blick auf unsere Schwächen zu bewahren, aber auch unsere Stärken anzuerkennen und mit unseren Erfolgen zu werben.
Das ist für mich wichtiger als strömungspolitische Debatten, die uns nicht voranbringen oder der Streit um Personen. Das Erscheinungsbild der Bundesebene der Partei darf nicht länger von Querelen geprägt sein.

Wir müssen uns darauf konzentrieren die Zusammenarbeit in den Parteigremien und mit den neugewählten Fraktionen voranzubringen.
Wir haben über 500 kommunale Mandatsträger und einige hauptamtliche Mitarbeiter in den kommunalen Fraktionen, wir haben mit Wahlkreismitarbeitern, Fraktionsmitarbeitern und Landtagsabgeordneten ca. 50 die im Landtag und regional an der Organisation unserer parlamentarischen Arbeit mitwirken, hinzukommen die Mitglieder der Kreis- und Stadtvorstände, die Regionalgeschäftsführer und die Mitarbeiterinnen der Landesgeschäftsstelle. Das ist doch was!
Was brauchen wir noch, um gemeinsam Politik zu entwickeln und stärker zu werden?

• Eine bessere politische Koordination, mehr Verbindlichkeit, mehr persönliche Verantwortlichkeit und vorausschauende Planung, würde ich sagen.
• Wir brauchen noch mehr Förderung junger Leute, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
• Mehr politische Netzwerkarbeit und Kultur.
• Ein Parteileben, das attraktiv für Neumitglieder und Sympathisanten ist.

Ich spüre immer wieder große Unzufriedenheit mit dem Zustand unserer Partei auf allen ihren Ebenen. Wir dürfen uns nicht mit dem zufriedengeben, was ist.
Die für uns schmerzhaften Ergebnisse der Mai-Wahlen ändern nichts an den alten und neuen Ansprüchen, die an unsere Partei und jeden ihrer Verantwortungsträger gestellt werden.
Auf uns kommen harte, konzentrierte Arbeit und neue Aufgaben zu.

Liebe Genossinnen und Genossen, wir sollten dabei keinen Moment außer Acht lassen, dass in Gestalt der AfD, die ideologisch der rechtsextremen Gewalt in Deutschland den Boden bereitet, die Gefahr eines neuen Faschismus in Deutschland besteht.
Wir müssen dieser Gefahr, im Bewusstsein unserer Verantwortung vor der Geschichte, ohne Schonung ins Auge blicken. Sie wird nicht eines Tages verschwinden oder zur Vernunft kommen, denn der Faschismus ist ein Feind der Vernunft.
Was sich übrigens ja auch immer wieder an den haltlosen Einlassungen der AfD zum Klimawandel erweist.
Die Geschichte prüft den Menschen, sie prüft dieses Land, sie prüft unsere Partei. Ich bin überzeugt, dass wir diese Prüfung bestehen werden. Ich bitte Euch um Euer Vertrauen für die Wahl zum Landesvorsitzenden der LINKEN in Sachsen-Anhalt.

1. Tagung des 7. Parteitages der Partei DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
Stadthalle Burg, am 30. Juni 2019 

– Es gilt das gesprochene Wort –

Aufbruch für einen politischen Wechsel in Sachsen-Anhalt

Liebe Genossinnen und Genossen,
es ist heute das erste Mal, dass ich als Vorsitzender der Landtagsfraktion etwas länger und auch etwas grundsätzlicher zu euch reden darf. Dafür bedanke ich mich beim Parteivorstand und ich hoffe, dass ich eure Aufmerksamkeit damit nicht zu sehr strapaziere. Ich habe heute auch einen Zettel – das ist gut für das Zeitregime – und ich konnte aufgrund der guten Debatten von gestern darauf bereits einiges kürzen.

Es ist aber schon notwendig, dass wir uns am Beginn der Vorbereitungen auf die Landtagswahlen 2021 ehrlich in die Augen schauen und uns vergewissern, wo wir stehen, wohin wir gehen wollen und was auf dem Spiel steht. Dazu brauchen wir die kritische Analyse genauso, wie Lust auf Veränderung und das Zutrauen in unsere Fähigkeiten und die Tragfähigkeit unsere Lösungen.

Die letzten Wochen und Monaten haben gezeigt, dass die Zeiten großer politischer Umwälzungen lange nicht vorbei sind. Eruptive Verschiebungen im Parteiensystem sind inzwischen fast an der Tagesordnung. Allerdings ändert sich dabei die Richtung, auch wenn wir das nicht immer gleich bemerken, weil die Bewegungen derzeit meist an uns vorbei gehen. Die Demokratie stand bei den Europa- und Kommunalwahlen zwar weiterhin unter Druck von rechts, die Nationalisten konnten aber ihre hochfliegenden Ziele am Ende nicht in dem von ihnen erhofften Maß erreichen. 

Vor allem aber: Die bisherige Macht von CDU und CSU bröckelt bundesweit. Obwohl die Nachrichten wieder angefüllt waren von den Wahlerfolgen der AfD, zeigt der Trend in den Wahlergebnissen und in den Umfragen, dass die Stimmen jenseits des bürgerlich/konservativen und national/völkischen Lagers wachsen und nach und nach wieder linke Mehrheiten entstehen. 

Die politische Stimmung war seit 2015 durch die ideologische Offensive von rechts geprägt, heute stehen Mieterproteste und Klimaproteste im Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Die gesellschaftliche Akzeptanz für linke Kernthemen wächst, weil mehr Menschen verstehen, dass uns die Politik der Agenda 2010 und des schlanken Staates in die Sackgasse geführt hat und gescheitert ist.
Dass Robert Habeck und Kevin Kühnert plötzlich mit Enteignungsforderungen medial auflaufen, ist Ausdruck sich verändernder Kräfteverhältnisse. Wenn die LINKE in diesem sich ändernden gesellschaftlichen Umfeld eine überzeugende Umsetzungs- und Durchsetzungsperspektive anbieten kann – und darauf kommt es an –, kann sie Teil dieser Wechseldynamik werden. Dass zeigt der Erfolg der LINKEN mit Kristina Vogt in Bremen. 

Liebe Genossinnen und Genossen,
spätestens nach dem Mord an Walter Lübke kann sich auch die CDU nicht mehr länger einer ernsthaften Debatte über die Gefahren des Rechtsextremismus entziehen, die bisher von ihr bagatellisiert oder ganz ignoriert wurden. Hier gibt es längst Entwicklungen, die nicht nur unser demokratisches Gemeinwesen, sondern Menschen bedrohen und vernichten. Unter uns ist heute Markus Niert, der leidvoll erfahren musste, was es heißt, im Fadenkreuz der Rechten zu stehen. Lieber Markus Niert, Du bist in Deiner Haltung und in Deinem Auftreten ein wirkliches Vorbild und dafür danke ich Dir sehr.  

Dass die AfD-Hetze mitverantwortlich ist für das Anwachsen rechtsextremer Gewalt, das räumen nun endlich auch führende CDU-Politiker ein. Aber das reicht nicht. Die CDU ist bei der Verteidigung der Demokratie gegen die Angriffe von rechts weder zuverlässig noch berechenbar, weil die völkische Ideologie der AfD zumindest in Teilen der CDU fest verankert ist. 

In der schon mehrfach erwähnten „Denkschrift“ werden ganz klar AfD-Denkmuster wiedergegeben. Deswegen reicht es nicht, wenn der CDU-Landevorsitzenden Stahlknecht wortreich eine direkte Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Denn dahinter stehen nur wahltaktische Überlegungen. Die CDU muss endlich Schluss damit machen, die Gefahren von rechts zu relativieren und weiterhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit Rechtsextremismus und Linksextremismus gleichzusetzen, denn genau das passiert ständig.

Wenn wir einen Blick auf den Zustand der KENIA-Koalition werfen, dann fällt mir dazu nur ein Begriff ein: Konkursverschleppung.  Maßgebliche Kräfte in der CDU haben die gemeinsame Basis dieser ohnehin fragilen Koalition systematisch zerstört. Die Koalition wird nur noch vom nackten Machterhalt zusammengehalten. 

Es gibt kein Vertrauen und schon gar keine Verlässlichkeit mehr, von politischem Gestaltungswillen ganz zu schweigen. Diese ungleichen Partner, die nicht mehr miteinander regieren wollen, können keine einzige Lösung für die Probleme des Landes mehr präsentieren. 

Diese Koalition war angetreten als Bollwerk gegen eine AfD-Regierungsbeteiligung. Davon kann längst keine Rede mehr sein. Debatten, die die AfD im Landtag in jeder Sitzung gezielt anzettelt, werden i.d.R. dann für die Medien interessant, wenn die CDU oder zumindest Teile von ihr der AfD zur Seite springen und damit jedes Mal auch die Koalitionspartner SPD und Grüne brüskieren. 

Mit diesen denkbar schlechten Voraussetzungen gehen die Kenianer jetzt in ihre letzten Haushaltsberatungen. Und da kommt der flotte Rauswurf des Finanzministers als Randnotiz noch hinzu. Sollte die Verabschiedung dieses Haushaltes gelingen und die Koalition diesen letzten Härtetest überstehen, dann werden wir diese Regierung des Stillstandes und der Selbstzerstörung noch zwei ganze Jahre ertragen müssen. Zwei Jahre, in denen wir für einem Politikwechsel in unserem Land arbeiten werden, denn diese Koalition wird und darf keine Perspektive haben. 

Die Landes-CDU hat in den letzten Landtagsitzungen deutlicher denn je gezeigt, dass ihr politische Inhalte und ihre Koalitionspartner völlig egal sind, Hauptsache, sie kann regieren. Doch mit wem, nach Kenia? Die SPD und die Grünen hat sie derart gepeinigt und verschlissen, dass man sich eine Fortsetzung nicht vorstellen kann und auch nicht vorstellen will. Auch die Zeiten schwarz-gelber Koalitionen dürften wohl für immer vorbei sein. Also werden die Diskussionen um ein Bündnis der CDU mit der AfD nicht aufhören, egal, was die Herren Haseloff und Stahlknecht erklären. 

Daraus, liebe Genossinnen und Genossen gilt es für uns Konsequenzen zu ziehen. Für uns und alle linken und sozialen Kräfte gilt es, alles dafür zu tun, dass die CDU eine solche Machtoption nicht mehr erhält. Bei der Landtagswahl 2021 geht es um die Entscheidung, ob die CDU mit Hilfe der AfD an der Macht bleibt und damit eine Partei Einfluss auf die Landespolitik gewinnen würde, in der rechtsextremen Kräfte den Ton angeben. 

Dies, liebe Genossinnen und Genossen, müssen wir unter allen Umständen verhindern. Die AfD an der Regierung bedeutet, Machtmissbrauch für die Denunziation, Einschüchterung und Beseitigung aller gesellschaftlichen Kräfte, die sich ihnen in den Weg stellen. Es bedeutet die Einschränkung demokratischer Rechte und die systematische Unterdrückung fortschrittlicher Kultur und der kritischen Zivilgesellschaft.

Und es gehört ganz offenbar zur Strategie der Rechten, sich überall dort breit zu machen, wo mit Waffen umgegangen wird – bei der Polizei, in der Bundeswehr und in der Justiz. Die AfD will an Waffen herankommen, das macht sie im Landtag immer wieder durch entsprechende Anträge deutlich, die auf eine Aufweichung des Waffenrechts oder wie erst kürzlich, auf die Verteilung von ausgemusterten Polizeipistolen an Schützenvereine hinauslaufen. 

Liebe Genossinnen und Genossen, 
diesen Leuten dürfen wir unser Land nicht überlassen! Eine strauchelnde, nur noch in ihren parteipolitischen Egoismen gefangene CDU darf die Regierungsmacht nicht behalten und eine demokratiefeindliche, rassistische und aggressive AfD darf sie nie bekommen. Deshalb müssen wir mit allen Kräften um neue Mehrheiten in Sachsen-Anhalt kämpfen. 

Erste und wichtige Schritte auf diesem Weg sollten wir mit einem breit und offen angelegten Dialog über die Zukunft des Sozialstaates gehen, wie ihn Stefan gestern vorgeschlagen hat. Ich werde als Vorsitzender der Landtagsfraktion diesen Diskurs aus tiefer Überzeugung und mit ganzer Kraft unterstützen. Es muss uns gelingen, gemeinsam und offensiv eine soziale Perspektive zu entwickeln, die die Menschen überzeugt. Wir müssen das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler dafür gewinnen, dass eine neue Sozialpolitik nicht nur wünschenswert, sondern auch durchsetzbar ist. Die uns wählen sollen müssen wir davon überzeugen, dass das gelingen kann und dass es sich lohnt, dafür in den Ring zusteigen und an die Urne zu gehen.

Es soll ein Angebot sein, sich einzusetzen 
    • für die Leistungsträger der Gesellschaft, die nicht länger mit Niedriglöhnen abgespeist werden, 
    • für die Beseitigung des Fachkräftemangels in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, ebenso wie in Schulen und Kindertageseinrichtungen, 
    • für die Stärkung und eine Renaissance kommunaler Unternehmen in allen Bereichen der Daseinsvorsorge und 
    • für lebenswerte Perspektiven in den vom Kohleausteig und Strukturwandel betroffenen Regionen Sachsen-Anhalts. 

Gebührenfrei Kitas mit besseren Personalschlüsseln sind für uns ebenso wenig „spinnerte Ideen“, wie die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge oder eine Kindergrundsicherung und eine armutsfeste Grundrente. Wir müssen dafür sorgen, dass der von uns längst als notwendig erkannte ökologische Umbau in Wirtschaft und Gesellschaft auch sozial gestaltet wird, sonst wird das nichts. Ökostrom, abgasfreie Fahrzeuge, energetisch sanierte Wohnungen oder ökologisch produzierte Lebensmittel müssen sich alle leisten können. 

Sozialstaatsdialog heißt auch, dass Daseinsvorsorge vom ÖPNV bis zu Bildung und Gesundheit nicht vorrangig von der Stadt, sondern von den ländlichen Landesteilen aus gedacht werden muss. Hier sind nicht nur neue Ideen gefragt, es muss unbedingt die kommunale Selbstverwaltung wieder hergestellt werden. Dafür brauchen unsere Kommunen eine wesentlich bessere Grundfinanzierung und ein Ausholzen des Fördermitteldschungels. 

Wir müssen auch das Ehrenamt in unserer vielfältigen Vereinslandschaft stärken und dabei Pflichtaufgaben wie etwa die Feuerwehr besser entschädigen. Vor allem aber müssen in allen Kommunen freiwillige Aufgaben wieder finanzierbar sein. Schwimmbäder, Jugendclubs oder Kultureinrichtungen dürfen nicht weiter der Haushaltskonsolidierung zum Opfer fallen. Und schnelles Internet, liebe Genossinnen und Genossen – also das mit Glasfaser und nicht mit Kupferkabel – brauchen wir eben nicht nur in den Städten, sondern gerade auch an der letzten Milchkanne. 

Ich freue mich, dass mehrere unserer Landtagsabgeordneten trotz der hohen Belastungen hier in Magdeburg auch wieder für die kommunalen Parlamente kandidiert haben und sich dort für unsere Verankerung an der Basis ganz persönlich einsetzen. 

Vor allem Hendrik ist hier noch einmal besonders zu erwähnen. Lieber Hendrik und liebe hallenser Genossinnen und Genossen, wir drücken euch und uns allen die Daumen, dass ihr das Rathaus in Halle erobert. Wir werden euch als Landtagsfraktion unterstützen, wo wir nur können. 

Liebe Genossinnen und Genossen,
die LINKE in Sachsen-Anhalt hat immer ein klarer politischer Gestaltungsanspruch ausgezeichnet.  Das haben wir in dieser Wahlperiode sehr eindrucksvoll fortgesetzt, obwohl unsere Möglichkeiten durch das schlechte Wahlergebnis der letzten Landtagswahl deutlich eingeschränkt sind. Die Fraktion wurde 2016 fast halbiert, die Zahl der Mitarbeiter*innen musste reduziert werden, wir mussten alle Kraft aufbringen, um unsere Wahlkreisbüros in der Fläche weitgehend zu halten und wir haben im Landtag unsere Minderheitenrechte und unseren Status als Oppositionsführerin eingebüßt. 

Das alles darf man nicht aus dem Blick verlieren, aber wir haben darüber nicht lange gejammert, sondern wir haben alle angepackt. Die Fraktion arbeitet unter diesen schwierigen Verhältnisse sehr konzentriert, harmonisch und effektiv. Wir prägen eindeutig die Debatten in diesem Landtag, wenn es um die inhaltliche Arbeit geht. In Sachen Populismus, Streit und Provokation können wir allerdings mit der AfD und den Kenianer nicht mithalten. Deshalb haben wir es auch beständig schwer, mit unseren Themen und unserem Engagement in den Medien wahrgenommen zu werden, obwohl wir jeden Tag auf allen Kanälen eine sehr intensive Pressearbeit leisten. 

In dieser Wahlperiode haben wir bisher rund 200 parlamentarische Initiativen ergriffen. Davon wurde etwa jede Fünfte von der Koalition aufgegriffen. Druck von LINKS zahlt sich also aus. Die eingeläutete Wende beim Einsatz pädagogischer Mitarbeiterinnen an unseren Schulen oder die Expertenkommission zur Ermittlung des Lehrkräftebedarfs, unser Gesetzesentwürfe zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge oder zur gerechten Eingruppierung der Ein-Fach-Lehrkräfte, die Sicherung der Finanzierung der Theater und Orchester oder unsere Initiativen zur Durchsetzung einer neuen Personalstrategie in der Justiz und natürlich die Einsetzung einer Enquete-Kommission zur Gesundheitsversorgung und zur Pflege sind nur einige Beispiele für unsere erfolgreiche Arbeit als Landtagsfraktion. 

Ich freue mich, dass wir rechtzeitig vor dem Parteitag unsere kleine Broschüre zur Bilanz unserer Parlamentsarbeit fertigstellen und euch zur Verfügung stellen konnten. Ich denke, dass die kompetente, engagierte und fleißige Arbeit unserer Abgeordneten, Fraktionsmitarbeiter und der Wahlkreismitarbeit die Wertschätzung dieses Parteitages verdient, liebe Genossinnen und Genossen.

Wir treffen mit unseren Initiativen natürlich weiterhin auf den massiven Widerstand der CDU, die ihre Politik der Ausgabenbegrenzung mit Zähnen und Klauen verteidigt. Deshalb, liebe Genossinnen und Genossen, müssen wir über Geld reden und zwar immer wieder und sehr nachdrücklich. Unser größtes gesellschaftliches Problem neben den Folgen des Klimawandels ist die ungerechte, ökonomisch unsinnige und demokratiegefährdende Verteilung von Vermögen und Kapital. 

Wenn wir nicht in der Lage sind, den gesellschaftlichen Diskurs hin zu deutlichen Veränderungen in den Steuersystemen zu beeinflussen, bleiben unsere Vorstellungen von einer anderen, einer gerechteren und menschlicheren Welt, von einem Zurückdrängen von Hass und Gewalt und der Schaffung einer neuen Friedensordnung tatsächlich nur „Sozialromantik“. Genau das wird uns ja von unseren politischen Widersachern immer gern vorgehalten. Eine andere Welt braucht eine andere ökonomische Basis.

Deshalb enthält unserer Broschüre auch Antworten der LINKEN auf die Fragen nach der Finanzierung unserer politischen Agenda. Wir müssen zum Motor einer Diskussion um Korrekturen bei den Steuereinnahmen werden. In den letzten Jahren hat die Konjunktur die strukturellen Einnahmedefizite überdeckt. Aber sie wird sich möglicherweise abkühlen, während gleichzeitig die ersten Haushalte unter Einhaltung der Schuldenbremse verabschiedet werden müssen. Schwächelnde Konjunktur und Schuldenbremse sind ein giftiger Cocktail für staatliche Investitionen und die Realisierung sozialstaatlicher Ziele. 

Die Schuldenbremse ist Misst und ökonomischer Blödsinn, weil sie die Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten des Staates völlig unnötig eingrenzt. Gleichwohl ist sie aber nicht das eigentliche Problem.

Denn die Alternative zum gar keine Schulden mehr machen ist ja nicht, unablässig Schulden aufzuhäufen ohne sie je wieder abtragen zu können. Die Alternative ist, dem Staat durch ökonomisch sinnvolle und gesellschaftlich verantwortbare Steuergesetze und einen effektiven Steuervollzug die Einnahmen zur Verfügung zu stellen, die er für die Erfüllung seiner Aufgaben braucht.

Neben dem zu geringen Gesamtvolumen der staatlichen Einnahmen wird auch der Geldfluss vom Bund über die Länder bis zu den Kommunen immer dünner, so dass die realen Finanzierungsprobleme von oben nach unten immer größer werden. Während der Bund immer noch Geld mit vollen Händen ausgeben kann, befinden sich viele Kommunen weiterhin in einer nicht enden wollenden Haushaltskonsolidierung. 

Wir haben diese Debatte im Landtag bereits mehrfach geführt, zuletzt unter der Überschrift „Wir müssen über die Vergesellschaftung des Reichtums reden“. Wenn wir hier mehr öffentlichen Einnahme fordern, ernten wir Widerspruch von allen Seiten – nicht nur von rechts, sondern auch von den Grünen. SPD und Grüne müssen sich hier bewegen, denn wir wollen den Mangel nicht besser verwalten, wir wollen ihn beenden und dem Land eine Zukunft geben!

Erste Ansätze haben ja Robert Habeck und Kevin Kühnert geliefert. Allerdings sind ihre Aufschläge noch sehr populistisch und kommen über den Kampfbegriff der „Enteignung“. Die entsprechenden Reaktionen kamen natürlich reflexartig – leider einmal mehr auch von der SPD. Deutsche Wohnen oder BMW enteignen, da drehen alle Neoliberalen durch und kommen mit Sozialismus, Planwirtschaft, Stacheldraht und Mauer. Natürlich, um eine solche aufkommenden Debatte bereits im Keim zu ersticken. 

Liebe Genossinnen und Genossen, es geht uns nicht vordergründig um Enteignung, obwohl auch die notwendig und sinnvoll sein kann. Es geht um eine gerechte Besteuerung von Gewinnen und Vermögen und die deutlich bessere Beteiligung der abhängig Beschäftigten am erwirtschafteten Mehrwert. Es geht um die steuerliche Entlastung von Arbeit und die Rückführung von Kapital aus den Finanzmärkten in die Realwirtschaft. Und es geht darum, Bereiche der Daseinsvorsorge – also Wohnen und Energie oder Gesundheit und Pflege der Marktlogik und dem Gewinnstreben zu entziehen. 
Das ist ökonomisch sinnvoll und es ist unverzichtbar, wenn das soziale Gleichgewicht gewahrt bzw. wiederhergestellt werden soll. Die Schere zwischen unermesslichem Reichtum Einzelner und der fortschreitenden Verarmung weiter Teile der Bevölkerung bis in die Mitte der Gesellschaft hinein muss gestoppt werden. 

Die Unsicherheit über die eigene Lebensperspektive gepaart mit der Entreicherung des Staates, der seiner Eingriffs- und Steuerungsmöglichkeiten beraubt ist, das ist der Nährboden, auf dem der rechte Ungeist gedeiht. Die CDU und zu Teilen auch die SPD sind längst nicht bereit, dies als Folge ihrer Politik in den letzten zwanzig Jahren anzuerkennen. Wir müssen vermitteln, dass wir es mit dieser Umverteilung ernst meinen und dass Änderungen in der Steuerpolitik die Voraussetzung für die Wiederherstellung des Sozialstaates und die Sicherung des gesellschaftlichen Friedens sind.

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir brauchen einen Aufbruch für einen politischen Wechsel in Sachsen-Anhalt und von diesem Parteitag wird ein solches Signal ausgehen. Wir werden als Landtagsfraktion mit dem neuen Vorsitzenden und dem neuen Landesvorstand eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir kennen uns gut und können miteinander. Wir werden alles dafür tun, dass die LINKE in Sachsen-Anhalt gestärkt in die nächste Landtagswahl gehen wird. 

Wir werden in unseren parlamentarischen Initiativen nicht nachlassen und noch konsequenter dafür arbeiten, dass diese in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden. Wir werden uns weiterhin ganz aktiv in den außerparlamentarischen Bündnissen engagieren – gegen Rechts, gegen Kinderarmut und gegen den Personalmangel in unseren Schulen. Und wir werden die zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bewegungen jederzeit und mit allen Mitteln gegen die Angriffe der AfD verteidigen. 

Dafür stehen wir als Landtagsfraktion und wir werben für Mut und Zuversicht in der gesamten Partei, diesen Aufbruch erfolgreich zu gestalten. Die Idee von einer gerechten und friedlichen Welt darf und sie wird nicht untergehen – und wir auch nicht. Im Gegenteil, auf uns kommt es an!


Tagungsort


Tagungsort der 1. Tagung des 7. Parteitags der Partei DIE LINKE. Landesverband Sachsen-Anhalt ist die Stadthalle Burg, Platz des Friedens 1, 39288 Burg.

Ausschlussklausel

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.