Erinnerung ist keine Geste – sie ist politische Haltung

Janina Böttger, Hendrik Lange

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar erklären die Landesvorsitzenden der Partei Die Linke Sachsen-Anhalt, Janina Böttger und Hendrik Lange:

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dieser Tag steht für den industrialisierten Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden und für die Menschheitsverbrechen des deutschen Faschismus. Wir gedenken der Millionen Opfer nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik – und wir erinnern an die Verantwortung, die daraus bis heute erwächst.

Erinnerung ist kein Ritual und keine Pflichtübung. Sie ist eine politische Haltung. Sie bedeutet, die Geschichte nicht zu relativieren, nicht zu verdrängen und nicht von aktuellen Konflikten überdecken zu lassen. Sie bedeutet, die Perspektive der Opfer ernst zu nehmen – und die Strukturen zu benennen, die Ausgrenzung, Entrechtung und Gewalt möglich gemacht haben.

Der Holocaust begann nicht mit den Gaskammern. Er begann mit der schrittweisen Zerstörung der Demokratie, mit der Abwertung von Menschen, mit rassistischer Hetze, mit dem systematischen Ausschluss ganzer Gruppen aus der Gesellschaft. Die Geschichte mahnt uns, wachsam zu bleiben, wenn Antisemitismus, Rassismus und autoritäres Denken wieder an Einfluss gewinnen – offen oder aber auch verdeckt, auf der Straße, im Netz und in den Parlamenten.

Für Die Linke heißt erinnern, Konsequenzen zu ziehen: Antisemitismus muss in jeder Form entschieden bekämpft werden. Jüdinnen und Juden müssen geschützt werden – nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret. Gedenkstättenarbeit, politische Bildung und historische Aufklärung dürfen nicht dem Spardruck unterworfen werden. Und Demokratie muss sich im Alltag bewähren: durch soziale Sicherheit, gleiche Rechte und die Verteidigung der Menschenwürde ohne Ausnahme.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung ist Erinnerung kein Blick zurück, sondern eine Aufgabe für die Gegenwart. Sie verpflichtet uns, der Entmenschlichung entgegenzutreten – klar, solidarisch und ohne Relativierungen.

Nie wieder ist kein historischer Satz.
Nie wieder ist ein politischer Auftrag.