Das Recht auf Bildung von Anfang an
Bildungsangebote in der frühen Kindheit sind ein wichtiges Fundament für die gesamte Bildungsbiografie und damit für die Chancen auf ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben, eine erfolgreiche Erwerbskarriere und für die Teilhabe an der Gesellschaft insgesamt. DIE LINKE sieht auch für die Jüngsten erhebliche Potenziale im Lernen und Spielen mit anderen Kindern. Jedes Kind kann hier vielfältige Impulse empfangen, um Neues zu entdecken und soziales Verhalten zu erlernen. Wenn Kinder in Gruppen unter professioneller Anregung zusammen sein können, ist das nicht schlechthin ein Ersatz für elterliche Erziehung und Bildung, sondern eine unverzichtbare Ergänzung.
Mit großer Sorge sehen wir, dass viele Kinder in Verhältnissen aufwachsen müssen, die von Problemen, von Entbehrungen und Belastungen ihrer Eltern deutlich geprägt werden. Allein in Magdeburg sind derzeit etwa 55 Prozent der Neugeborenen Kinder, die in so genannten Bedarfsgemeinschaften leben müssen. Dass gerade für sie die Möglichkeiten und Chancen zur Teilnahme an Angeboten der Kinderbe-treuung, Förderung und Bildung eingeschränkt sind, weil Mutter oder Vater keine Arbeit finden, ist nicht hinnehmbar. Während die Gebühren in öffentlichen Kindereinrichtungen für diese Kinder meist durch die Jugendhilfe gewährt werden, werden ihre Bildungschancen aber durch das Land auf maximal fünf Stunden beschnitten. Eine Einschränkung, die in nicht wenigen Fällen fatale Folgen hat. Armut und niedrige Bildung laufen Gefahr, vererbt zu werden. Der Aufstieg aus prekären Verhältnissen wird immer schwieriger.
Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden - und das schon am Anfang der Entwicklungs- und Bildungsbiografie. Deshalb tritt DIE LINKE nachdrücklich dafür ein, dass jedes Kind das Recht hat, alle Angebote der Kindereinrichtung zu nutzen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir die Kindereinrichtungen so fördern, dass sie die personellen Voraussetzungen schaffen können, für alle Kinder, deren Eltern es wünschen, einen Ganztagsplatz in ausreichender Qualität vorzuhalten. Es geht nicht nur um ein verlängertes Aufenthaltsrecht – es geht um interessantere Spielan-gebote, anregende Erlebnisse im kulturellen und musischen, technischen, natur-wissenschaftlichen, im sportlichen und in anderen Bereichen. Es geht um hinwen-dungsvolle Betreuung und allseitige Förderung, insbesondere im Gebrauch der Sprache.
Wir halten es auch nicht für vertretbar, dass darüber hinaus Kinder nicht die Kindertagesstätte in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung, in ihrem Dorf, in ihrem Kiez nutzen können, weil sie eine Behinderung haben und deshalb die wenigen, oft entfernten Einrichtungen aufsuchen müssen, die die erforderliche Barrierefreiheit und die adäquate Fachbetreuung und –förderung vorhalten können. Es ist gewiss ein gewichtiger Fortschritt, dass alle diese Einrichtungen Kinder mit und ohne Behinderung besuchen können. Aber es sind zu wenige. Es ist unser längerfristiges Ziel, in jeder Kindereinrichtung qualifizierte Voraussetzungen zur inklusiven Betreu-ung, Förderung und Bildung zu schaffen.
