Agenda 2010 – Ein Jahrzehnt Marktgläubigkeit und Sozialabbau
Am 14. März 2003 verkündete die rot-grüne Bundesregierung die Reformpolitik der Agenda 2010. Dazu erklärt die Landesvorsitzende Birke Bull:
»Der Markt wird es richten! Ende der 1990er Jahre leiteten Gerhard Schröder und Tony Blair einen neuen Kurs der europäischen Sozialdemokratie ein: Es gelte nun, in den traditionellen Konfliktlinien Kapital und Arbeit, Markt und Staat, Individuum und Gesellschaft, alte Positionen zu verlassen. Sie passen nicht mehr in die Zeit des Wechsels von der Industrie- in die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, so Schröder und Blair im gemeinsamen Papier ›Der Weg nach vorne‹. Gebote der Stunde seien der Rückzug des Staates, die Verlagerung von Risikoabsicherung in das Private und in die Zivilgesellschaft, die Flexibilisierung der Märkte mit dazu passenden Arbeitnehmern sowie Steuerentlastungen für das Kapital.
Mit der Behauptung, der Markt funktioniere ohne gesetzliche Schranken am besten und die Antwort auf globalen Konkurrenzdruck könne nur Sozialabbau und Eigenverantwortung heißen, kappte die Sozialdemokratie ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung vollends. Aus den Vorgaben des Schröder-Blair-Papiers (1999) goss Rot-Grün das Regierungsprogramm. Am 14. März 2003 kündigte Kanzler Schröder in seiner Regierungserklärung die Reform Agenda 2010 mit den Hartz-Gesetzen an: Eigenverantwortung statt Sozialstatt, Chancen- statt Verteilungsgerechtigkeit, Pragmatismus statt Ideologie. Die damalige Einschätzung der Folgen, u.a. von über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler formuliert, hat heute nichts an Aktualität verloren: Verarmung von Erwerbslosen, Schaffung einer Zweiklassenmedizin, Absenkung der Rente, Ausweitung des Niedriglohnsektors aufgrund des Zwangs, fast jede Arbeit annehmen zu müssen, – die Reform ›bekämpft die Arbeitslosen, nicht die Arbeitslosigkeit‹. mehr...
Pressekonferenzen
Bilanz nach zehn Jahren Agenda 2010 und Alternativen
Christoph Butterwegge, Gregor Gysi, Bernd Riexinger und Katja Kipping, Berlin, 13. März 2013
Christoph Butterwegge bilanziert die Agenda 2010: "Ökonomisch hat die Agenda den "Standort D" weiter gestärkt, was die wirtschaftliche Unwucht zwischen der Bundesrepublik und Ländern Südeuropas verschärfte und entscheidend zur dortigen "Staatsschuldenkrise" beitrug. In sozialer Hinsicht wirkte die Agenda-Politik verheerend, weil sie zu einer bis dahin unvorstellbar krassen Verteilungsschieflage bei den Einkommen und Vermögen führte, von der perspektivisch Gefahren für den inneren Frieden und die Demokratie ausgehen. Mein Fazit: Deutschlands Wirtschaft steht gut da, weil seit Jahr und Tag an der Gerechtigkeit gespart wird.
Stopp-Zeichen für Agenda 2010-Politik
Pressematerial von Sabine Dirlich, der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin und Wulf Gallert, dem Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE. im Landtag von Sachsen-Anhalt, Magdeburg, 13. März 2013
Material
Professor Dr. Christoph Butterwegge:
Gerhard Schröders Agenda 2010 – 10 Jahre unsoziale Politik
Expertise für die Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Partei DIE LINKE, 13. März 2013
(PDF)
10 Jahre Agenda 2010. Bilanz einer gescheiterten Politik.
Bausteine einer neuen Agenda für soziale Gerechtigkeit, !3. März 2013
(PDF)
„Für soziale Gerechtigkeit statt gesellschaftlicher Spaltung –
Bilanz nach 10 Jahren Agenda 2010“
Antrag der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag, 14. März 2013
(PDF)
Dokumente
Modern statt links – Regierungserklärung Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003
(PDF)
Reform »bekämpft die Arbeitslosen, nicht die Arbeitslosigkeit«
Brief der 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Mai 2003
(LINK)

