Auf dem Weg zu längerem gemeinsamen Lernen - Sekundarschulen stärken
Vielen Kindern und Jugendlichen wird der Zugang zu anspruchsvollen Bildungs-angeboten verwehrt. Viel zu früh werden sie sortiert und auf ein Bildungsgleis gesetzt, das die künftige Richtung ihres Bildungsweges bestimmt. Damit wächst die Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft. Entfaltungsmöglich-keiten werden eingeschränkt. Längeres gemeinsames Lernen heißt für uns, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu vielfältigen Bildungsangeboten haben, dass alle Kinder und Jugendlichen sich optimal und uneingeschränkt entwickeln können, dass sie mit- und voneinander lernen und dass Konfliktfähigkeit und ein soziales Miteinander wachsen können. Die engagierte Arbeit der Lehrkräfte ist dafür unerlässlich. Ihre Kompetenz zu erfolgreichem Umgang mit der Vielfalt der Leistungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen wollen wir durch Aus- und Fortbildung stärken, damit individuelles Fördern und Fordern in der Schule besser zum Tragen kommt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Schulsozialarbeit nachhaltig in die Schulstruktur integriert wird.
Wir wollen unverzüglich damit beginnen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, und nachhaltige Entwicklungsprozesse einleiten. Die bestehenden Defizite im Schulwesen dulden keinen Aufschub.
Die Grundschule als bewährte Schulform wollen wir erhalten und weiterentwickeln. In ihr sollen alle Kinder gemeinsam lernen; eine Empfehlung zum Besuch von Förderschulen soll nur noch in besonderen Fällen ausgesprochen werden oder auf Antrag der Eltern erfolgen.
Mit Hilfe umfassender Beratung durch die Lehrerinnen und Lehrer sollen Eltern und Kinder selbst über die Wahl der weiterführenden Schule entscheiden.
Vor allem die Sekundarschulen wollen wir durch eine spürbare Qualitätsentwicklung der Bildungsangebote und den schrittweisen Ausbau von Ganztagsangeboten stärken. Polytechnische und naturwissenschaftliche Lernfelder sollen auch mit Blick auf eine künftige berufliche Ausbildung ausgeprägt werden. Das Lernniveau muss sich für alle mindestens am Ziel des Realschulabschlusses orientieren, den deutlich mehr Absolventinnen und Absolventen erreichen sollen. Darüber hinaus wollen wir an allen Sekundarschulen in den Schuljahrgängen 5 bis 9 schrittweise gymnasiale Angebote schaffen. Man soll sich darauf verlassen können: auch wenn ich die Sekundarschule am Ort wähle, steht mir der direkte Weg zum Abitur offen. Auf diesem Weg sollen Sekundarschulen eine attraktive Alternative zu den Gymnasien werden, beide Schulformen sollen sich gemeinsam mit den bestehenden Gesamt-schulen zu gleichwertigen Bildungsangeboten in den Klassenstufen fünf bis neun entwickeln.
Die Gymnasien müssen sich ebenfalls ändern. Ein „Abschulen“ nach formalen Leistungskriterien an Sekundarschulen soll es nicht mehr geben. Alle Schülerinnen und Schüler sollen auch in dieser Schulform angenommen werden und individuelle Förderung erwarten können. Die in dieser Schulform in den letzten Jahren sträflich vernachlässigte technische Bildung wollen wir aufwerten. An Gymnasien sollen alle Abschlüsse vergeben werden.
Beides, die Stärkung der Sekundarschulen und die Veränderungen an den Gymna-sien, soll dazu beitragen, längeres gemeinsames Lernen Schritt für Schritt zu ermöglichen und die Aufteilung der Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Schulformen bereits nach der 4. Klasse langfristig zu überwinden, was in einem zweiten Reformschritt zur Allgemein bildenden Gemeinschaftsschule führen wird.
Die Ergebnisse des Bildungskonvents veranlassen uns, dem Landtag in der nächsten Legislaturperiode vorzuschlagen, erneut ein repräsentatives bildungs-politisches Gremium zu berufen, das in der demokratischen Tradition der Runden Tische die Umsetzung der Schulreform begleitet. Wir verstehen Schulreform als ein lernendes System, in dem Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Schülerinnen und Schüler eingeladen sind, mit zu gestalten, mit zu diskutieren und mit zu entscheiden.
