Auch nach sieben Jahren sind viele Fragen noch immer offen
Zum siebten Jahrestag des rechtsterroristischen Anschlags vom 9. Oktober 2019 erklären die Landesvorsitzenden der Linken Sachsen-Anhalt, Janina Böttger und Hendrik Lange, sowie die Vorsitzende der Landtagsfraktion, Eva von Angern:
Sieben Jahre sind vergangen, seit ein rechtsextremer Attentäter in Halle zwei Menschen ermordete und zahlreiche weitere verletzte und traumatisierte. Sein Ziel war die Synagoge, in der Jüdinnen und Juden an diesem Tag Jom Kippur feierten. Nur weil es ihm nicht gelang, in das Gebäude einzudringen, konnte ein noch größeres Verbrechen verhindert werden. Auf seiner Flucht setzte der Täter seine Gewalttaten bis nach Wiedersdorf fort.
Janina Böttger, Landesvorsitzende der Linken Sachsen-Anhalt:
„Wir gedenken der beiden Ermordeten. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen, den Überlebenden und allen Menschen, deren Leben durch den antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlag für immer verändert wurde. Für sie ist der 9. Oktober kein Datum, das mit einer jährlichen Gedenkveranstaltung abgeschlossen werden kann. Auch sieben Jahre danach sind viele Fragen noch immer offen. Die Erinnerung muss deshalb vor allem denjenigen Raum geben, die unmittelbar betroffen waren und bis heute mit den Folgen leben.“
Eva von Angern, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt:
„Der diesjährige Jahrestag fällt in eine bedrückende politische Situation. Wenige Tage zuvor hat sich in Sachsen-Anhalt ein Landtag konstituiert, dessen Präsident und einer seiner Vizepräsidenten einer Partei angehören, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Mit Hans-Thomas Tillschneider bekleidet einer der ideologischen Vordenker dieser Partei ein herausgehobenes parlamentarisches Amt.
Das ist eine politische Realität, die auch beim Gedenken an den 9. Oktober nicht ausgeblendet werden kann. Sieben Jahre nach einem antisemitischen und rassistischen Terroranschlag müssen wir uns erneut fragen, welchen Raum menschenfeindliche Ideologien in unserer Gesellschaft einnehmen und wie entschlossen ihnen widersprochen wird.“
Hendrik Lange, Landesvorsitzender der Linken Sachsen-Anhalt:
„Sieben Jahre nach dem Anschlag geht es noch immer um Anerkennung, Aufklärung und darum, dass die Betroffenen mit ihren Erfahrungen und Forderungen nicht allein gelassen werden. Dazu gehört, staatliches Handeln und mögliche Versäumnisse kritisch aufzuarbeiten und daraus Konsequenzen für den Schutz vor rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zu ziehen.
Antisemitismus beginnt nicht erst mit Gewalt. Er zeigt sich in Verschwörungserzählungen, alltäglichen Anfeindungen, der Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen und der Bedrohung jüdischen Lebens. Ihm entgegenzutreten ist eine dauerhafte gesellschaftliche und politische Aufgabe.
Wir danken allen Initiativen und Engagierten, die die Erinnerung an den Anschlag wachhalten, die Betroffenen begleiten und auf offene Fragen und Versäumnisse aufmerksam machen. Ihre Arbeit verdient nicht nur an Jahrestagen Aufmerksamkeit, sondern dauerhafte Unterstützung. Unsere Verantwortung bleibt, den Betroffenen zuzuhören, offene Fragen aufzuklären und dafür einzutreten, dass sich eine solche Tat niemals wiederholt.“
