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Thomas Lippmann

Im Mangel driften Regionen und Schulformen immer weiter auseinander

Der weiter fortschreitende Mangel an Lehrkräften verschärft die Differenzen zwischen den Regionen, Schulformen und Einzelschulen. Die Tiefpunkte in der Unterrichtsversorgung werden dabei immer extremer. Nur noch knapp jede 4 Schule (176 von 754) ist ausreichend mit Lehrkräften versorgt. Darunter befinden sich kaum noch Sekundarschulen (7 von 105), Gemeinschaftsschulen (4 von 42) und Förderschulen (14 von 92). Ganze Landkreise haben nur noch knapp 90 % der benötigten Lehrkräfte zur Verfügung, von denen auch immer mehr keine Ausbildung als Lehrkraft haben. Die Kluft zwischen den kreisfreien Städten und den ländlichen Regionen wird tiefer und das Gefälle vom Süden und Westen des Landes hin zum Norden und Osten nimmt weiter zu. Diese und weitere Details zur Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr liefert die Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (KA 8/1167). Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

»Der Lehrkräftemangel wird immer mehr zu einer Frage soziale Ungerechtigkeit und ungleicher wirtschaftlicher Perspektiven. Die zunehmenden Disparitäten in der Unterrichtsversorgung werden die ungleiche Entwicklung der Regionen des Landes befördern. Wenn im Landkreis Börde nicht einmal mehr 90 Prozent der benötigten Lehrkräfte zur Verfügung stehen, während in der Stadt Halle, dem Hauptstandort der Lehramtsausbildung, fast alle Schulformen (mit Ausnahme der drei Sekundarschulen) planmäßig unterrichten können, dann muss die Landesregierung die Weichen anders stellen.

Dafür reichen die beim Schulgipfel angekündigten Maßnahmen nicht nur bei weitem nicht aus, sie sind auch ungeeignet. Denn die verpflichtende wöchentliche Überstunde für alle Lehrkräfte ist Krisenmanagement mit der Gießkanne. Was hilft es der Grundschule Langenweddingen (Unterrichtsversorgung 49,77 Prozent), wenn jede ihrer zwei Lehrkräfte noch eine Stunde mehr unterrichtet, dort aber insgesamt 54 Unterrichtsstunden fehlen. Es entbehrt jeder realistischen Grundlage, dass die in Halle weitgehend unnötig erzeugten Überstunden in andere Regionen mit riesigen Defiziten verlagert werden könnten.

Es wäre dagegen höchste Zeit gewesen, an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg nicht nur das Spektrum der Fächerwahl zu erweitern, sondern den schon lange überfälligen Ausbau der Lehramtsausbildung insgesamt in Angriff zu nehmen. Sachsen-Anhalt braucht für die Mitte und den Norden des Landes in Magdeburg einen attraktiven und starken Standort für die Lehramtsausbildung.

Geradezu katastrophal entwickelt sich weiterhin die Situation an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Offiziell liegt die Unterrichtsversorgung hier bei nur noch 88 Prozent, doch das sind geschönte Werte. Schaut man in die Zeit des Schuljahres 2013/14, bevor die Zuweisungen für diese Schulformen mehrfach gekürzt wurden, dann liegt die Unterrichtsversorgung im Vergleich dazu tatsächlich bei nur noch 75 Prozent. Und davon wird inzwischen mehr als jede vierte Unterrichtsstunde von Lehrkräften ohne abgeschlossenen Ausbildung als Lehrkraft erteilt (Seiteneinsteiger, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, Studenten). Da sich diese Prozesse weiter fortsetzen, wird der Anteil des Fachunterrichts, der an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen durch ausgebildete Fachlehrer erteilt wird, im kommenden Schuljahr – nur 10 Jahren seit 2013/14 – auf nur noch 50 Prozent absinken.«


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