Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Peter Kroha

Er ist einer von damals

Ein Leserbrief von Peter Kroha im NAUMBURGER TAGEBLATT zu einer Äußerung von Stadtrat Stephan Herzer (CDU-Fraktion) in der jüngsten Sitzung des Naumburger Gemeinderates.

Ein Leserbrief von Peter Kroha im NAUMBURGER TAGEBLATT zu einer Äußerung von Stadtrat Stephan Herzer (CDU-Fraktion) in der jüngsten Sitzung des Naumburger Gemeinderates.

Herr Herzer hat auf meinen Diskussionsbeitrag im Gemeinderat zum Thema Montessori-Kindertagesstätte mit den Worten reagiert, ich sei "einer von damals" und: "Wir haben Sie hier nicht vermisst." Mir scheint, dass die Äußerung "einer von damals" eher auf ihn zutrifft. Ich fühlte mich an die Zeit des Kalten Krieges erinnert, als man keine Gelegenheit ungenutzt ließ, den politischen Gegner verbal zu diffamieren. Mit einem entwickelten Demokratieverständnis hat das nichts zu tun. Dabei habe ich nicht nur meine Meinung zum Ausdruck gebraucht, das zeigt das Abstimmungsergebnis mit 18 Ja-Stimmen, zehn Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen. Auch führende Erziehungswissenschaftler sehen das so.

Wenn über zwei Drittel der Naumburger Kinder eine private Kindertagesstätte besuchen, wenn in Deutschland 81 Prozent der Kinder aus der Ober- und Mittelschicht, aber nur 14 Prozent der Kinder aus der Unterschicht an einem Gymnasium lernen, dann kann man sehr wohl von einer Zweiklassengesellschaft sprechen. Während die Zahl der Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft seit 1998 von 67 600 auf 55 400 gesunken ist, hat sich die Anzahl privater Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft von 32 000 auf 40 000 erhöht. Im gleichen Zeitraum hat die Anzahl der Grundschulen in freier Trägerschaft um 152 Prozent zugenommen (Quelle: Vierter nationaler Bildungsbericht 2012). Und wenn man bedenkt, dass in einigen Landkreisen Ostdeutschlands keine einzige staatliche Grundschule mehr existiert, muss das doch zu denken geben, und es darf die Frage erlaubt sein, wohin das führen soll.

Es besteht die Gefahr, habe ich in meinem Diskussionsbeitrag gesagt, dass die staatlichen Einrichtungen zu "Restposten" verkommen, zu Auffangbecken für die Kinder der Unterschicht, weil immer mehr sozial Privilegierte ihren Kindern einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen sichern wollen und eine private Einrichtung bevorzugen.Die Bildungseinrichtungen müssen aber der Ort sein, an dem die Heranwachsenden gemeinsame Generationserfahrungen machen und dadurch zum sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen können. So aber besteht die Gefahr, dass unsere Gesellschaft zerfällt, dass sich bestehende Unterschiede immer mehr verfestigen. Das muss verhindert werden.

Peter Kroha, Schulpforte,

Stadtrat (Die LINKE)


Pressekontakt

Pressesprecher:in
Anke Lohmann

Alexander Sorge

DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
Ebendorfer Straße 3
39108 Magdeburg

Telefon: 0391 732 48 50
Fax:      0391 732 48 48
presse(at)dielinke-lsa.de