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Thomas Lippmann

Studie zu Gründen für Schulversagen war nicht nötig

Sachsen-Anhalt hat seit Jahren im bundesweiten Vergleich die höchste Anzahl von Schüler*innen, die die allgemeinbildenden Schulen ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen (siehe Anlage). Im Schuljahr 2019/20 blieb damit fast jeder achte Jugendliche in der Altersgruppe ohne Abschluss. Nach eigenen Angaben hat das Bildungsministerium durch die Otto-von-Guericke-Universität für 140.000 Euro eine Studie zu den Gründen für Schulversagen in Sekundarschulen erstellen lassen. Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

»Die viel zu hohe Zahl von Schüler*innen ohne Schulerfolg bietet ausreichenden Anlass, sich mit den Gründen für den mangelnden Schulerfolg von derzeit jährlich etwa 2.000 Schüler*innen zu beschäftigen. Was hierzu von der Magdeburger Universität an Gründen herausgefunden wurde, ist in jedem Fall zutreffend. Doch hätte es dafür diese Studie nicht bedurft. Das Geld hätte gut an anderer Stelle zur Unterstützung der Schulen eingesetzt werden können.

Denn genau das, was die Autor*innen der Studie herausgefunden haben, ist längst bekannt. So schickt Sachsen-Anhalt schon von je her bundesweit den höchsten Anteil seiner Schüler*innen in Förderschulen, wobei nur die wenigsten Jugendlichen einen regulären Schulabschluss erwerben. Aus den Förderschulen kommt fast die Hälfte der Schüler*innen, die keinen Hauptschulabschluss schaffen. Trotzdem strebt man im CDU-Bildungsministerium seit Jahren eine Renaissance der Förderschulen an, statt sich für die Entwicklung inklusiver Schulen einzusetzen.

Die Erkenntnis, dass man massiven Schulproblemen bei Jugendlichen mit einer stärkeren Verbindung zu berufspraktischen Unterrichtsangeboten recht erfolgreich begegnen kann, hat das ESF-Programm „Produktives Lernen“ seit vielen Jahren erbracht. Und dass multiprofessionelle Teams und insbesondere Schulsozialarbeit eine gute Grundlage für erfolgreiche Arbeit in den Schulen bieten, wurde mit dem ESF-Programm »Schulerfolg sichern« nachdrücklich gezeigt. Doch beiden Programmen fehlt die Perspektive, weil das Land nicht bereit ist, hier eigenes Geld in eine dauerhafte und kontinuierliche pädagogische Arbeit zu investieren.

Wenn es im Bildungsministerium tatsächlich den Willen gibt, dem schulischen Misserfolg tausender Schüler*innen konsequenter zu Leibe zu rücken, dann liegen die erfolgversprechenden Maßnahmen auf der Hand. Doch selbst bei bestem Willen und später Einsicht in schulpolitische Fehlentscheidungen droht an entscheidender Stelle das Scheitern an der Aufgabe – denn es geht nichts ohne ausreichendes pädagogisches Personal. Und das geht gerade den Schulen verloren, die es für den Erfolg ihrer Schüler*innen am dringendsten benötigen – den Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Förderschulen.

Derzeit gibt es leider keinen Grund, auf eine spürbare Verbesserung der Abschlusssituation an den allgemeinbildenden Schulen im Land zu hoffen, ganz im Gegenteil. Die Bedingungen für den Schulerfolg benachteiligter Schüler*innen verschlechtern sich gerade erheblich – nicht zuletzt auch durch die zusätzlichen Ausfälle als Folge der Corona-Pandemie. Um künftig wieder mehr Schüler*innen zu einem anerkannten Schulabschluss zu führen, muss sich viel ändern. Doch dazu sind weder CDU noch Bildungsministerin und Landesregierung bereit. Daran wird auch die Studie nichts ändern.«


Pressekontakt

Pressesprecher Alexander Sorge

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