Zur Einrichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" vor zehn Jahren erklärt die stellvertretende Landesvorsitzende, Henriette Quade:
„Erst vor zehn Jahren wurde die Entschädigung für ehemalige ausländische Zwangsarbeiter während der Zeit des Nationalsozialismus geregelt. Die Ausbeutung von verschleppten `Fremdarbeitern`, von in Konzentrationslagern Inhaftierten und von Kriegsgefangenen betraf alle Bereiche des Wirtschaftslebens - in der Landwirtschaft, im Bergbau, in der Industrie, in der Kriegsproduktion und in der Verwaltung schufteten über 12 Millionen Menschen. Über 55 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges wurde ihnen - u.a. mit völkerrechtlichen Begründungen - verwehrt, individuelle Entschädigungen einzufordern. Erst mit dem Ende der deutschen und europäischen Teilung 1990 eröffneten sich neue juristische Wege. 1998 wurden in den USA Sammelklagen gegen die deutschen Unternehmen Siemens, Krupp, Diehl, Henkel, BMW, Daimler-Benz, VW, Audi, Leica, Degussa und MAN erhoben.
Erst unter diesem Druck einigten sich die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft auf ein Verfahren für symbolische Entschädigungszahlungen. Die per Bundesgesetz im Sommer 2000 eingerichtete Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" verwaltete einen Fonds von 10,1 Mrd. DM (5,2 Mrd. Euro). Diese Mittel, erbracht je zur Hälfte vom Bund sowie durch steuerlich absetzbare Spenden deutscher Wirtschaftsunternehmen, standen im Wesentlichen für die gestaffelte Entschädigung von Individualansprüchen zur Verfügung. Bis 2007 wurden rund 4,4 Mrd. Euro an über 1,66 Millionen leistungsberechtigte Überlebende über internationale Partner ausgezahlt. Mit der kurzen Antragsfrist bis Ende 2001 und der ab 2006 begonnenen Rechtssicherheit gegenüber verbleibenden Forderungen laut Stiftungsgesetz wurde das Hauptziel erreicht: Alle Individualansprüche an die deutsche Wirtschaft und die Bundesrepublik sind erloschen. Zur Zwangsarbeit gezwungene Kriegsgefangene wurden von vornherein vom Stiftungszweck ausgeschlossen. Für die allermeisten der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kam die Anerkennung des ihnen zugefügten Unrechtes durch eine Stiftung sowieso zu spät.“