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3. Juni 2010 Matthias Höhn, Landesvorsitzender

10 Jahre nach der Ermordung Alberto Adrianos - Rechte Bedrohung bleibt hoch

Erklärung des Landesvorsitzenden der LINKEN Matthias Höhn:

„Am 11. Juni 2000 wurde Alberto Adriano in Dessau Opfer brutaler rassistischer Gewalt. 10 Jahre nach seinem Tod weist der jetzt für 2009 veröffentliche Verfassungsschutzbericht den Rechtsextremismus weiterhin als die größte Gefahr unserer Demokratie aus.

In Sachsen-Anhalt sind seit 1990 mindestens neun Todesopfer rechter Gewalt zu beklagen. Allein in Magdeburg starben drei junge Männer: der 23-jährige Torsten Lamprecht wurde bei einem gezielten bewaffneten Überfall von 60 Nazis auf eine Feier im Mai 1992 tödlich verletzt, der 17-jährige Frank Böttcher (Februar 1997) und der 20-jährige Rick L. (August 2008) begegneten ihren Mörder eher zufällig.

Rechte Weltbilder, die die Gleichwertigkeit aller Menschen und ihrer Würde in Frage stellen, sind in allen Fällen Motive der Gewalttaten. Sozial Schwache, politisch Andersdenkende, rassistisch definierte „Ausländer“ – all jenen wird von den Tätern das Recht auf Leben abgesprochen. Gewalt ist damit immer Bestandteil von Rassismus und Antisemitismus.

Tödliche Angriffe sind nur die Spitze des Eisberges. Viele Opfer rechter Täter werden auch von der Mehrheitsgesellschaft stigmatisiert und diskriminiert. Migrantinnen und Migranten, Flüchtlingen, sozial Schwachen und Minderheiten fehlt oft der Rückhalt in der Gesellschaft, ihre Würde wird tagtäglich verletzt. Auch jenseits des Grenzbereiches brutaler Gewalt ist es notwendig, (potentiellen) Opfern unsere Solidarität zu zeigen. Für das gesellschaftliche Klima im Land ist nicht die NPD verantwortlich, sondern wir alle.

Darum ist auch wie im Fall des antisemitischen Angriffes in Laucha weitere Solidarisierung mit denen notwendig, die von rechter Gewalt bedroht werden oder sich bedroht fühlen. So lange sich Fußballvereine wie der BSC 99 nicht in der Lage sehen, Gewalttäter auszuschließen oder Jugendtrainer, die für die NPD aktiv sind, ihrer Funktion zu entheben, braucht es die Unterstützung der Mitbürger in Laucha. Die Aufforderung an die Eltern der im BSC 99 trainierten Kinder zum Boykott ist darum richtig.“