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Politische Bildung im Landesverband

Die politische Bildung hat in unserer Partei vielfache Funktionen.

Insbesondere die neuen Mitglieder sehen sich in keiner Tradition der Quellparteien; oft sind sie schlicht zu jung dafür. Allein "aus dem Bauch heraus" oder aus moralischer Empörung ist linke Politik auf Dauer nicht machbar - und es stellen sich mit unserem Programm ganz praktische Fragen: Was verstehen wir unter demokratischem Sozialismus und wie wollen wir dort hinkommen? Warum setzen sich Profitinteressen gegenüber den sozialen und demokratischen Interessen der überwältigenden Mehrheit der Menschen durch? Warum sind wir gegen den Ausverkauf öffentlichen Eigentums? Die Beantwortung dieser und weiterer Fragen können sich die Teilnehmenden an unserer politischen Bildung systematisch erarbeiten. Es geht also zunächst um grundlegende programmatische Positionen unserer Partei. Allein die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten für die alltäglichen Aufgaben wäre zu wenig und würde zu wenig aussichtsreicher Handwerkelei verführen. Wir wollen mit unserer Bildungsarbeit auch Hoffnung für ein gutes Leben vermitteln und Lust auf Widerstand gegen neoliberale Zumutungen. 

Der Landesvorstand hat am 20. März 2018 die Kommission »Politische Bildung« einberufen. Nach der Konstituierung gehören der Kommission folgende Genossinnen und Genossen an: Jenny Schulz, Conny Behr, Stine Rummel-Strebelow, Henriette Krebs, Tobias Baum, Stephan Krull, Mario Blasche und Alexander Sorge.

Bericht von unseren Bildungsveranstaltungen im November 2018

Seminar für neue Mitglieder und Linke Politik in der Kommune am 24./25.11.2018 in Halle

27.11.2018, Stephan Krull

Konzentrierte Kleingruppenarbeit
Konzentrierte Kleingruppenarbeit © SK

Ref.-Team 25.11. Linke Politik in der Kommune: Stephan Krull und Tobias Baum

Wir führten eine Vorstellungsrunde durch, die der Beginn des Erfahrungsaustausches war:  Welche Erfahrungen hast Du in Deiner Stadt mit linker Politik in der Kommune – dabei durchaus differenzierte, teils sehr positive, teils aber auch sehr negative Erfahrungen und Beispiele.

Der Seminarplan sah danach folgende Stationen vor:

  • Vorstellungsrunde
  • Ablauf / Organisation / Seminarplan
  • »Was ist links in der Kommune« – Definitionsarbeit / Debatte
  • Impuls: Rolle der Einwohner_innen / Bürger_innen und deren Beteiligung 
  • Erwartungen an Kommunalpolitik, an Mandatierte, an die Partei, an sich selbst (mit oder ohne Mandat)?
  • Vorstellung und Übergabe „Crashkurs Kommune“ 
  • Impuls: Linke Kommunalpolitik in der Krise / Krise der Linken und Krise der Kommunen
  • Kommunalpolitische Projekte / Resümee / Seminarkritik

In einer Einzelarbeit und anschließender Plenumsdebatte wurden die Ansprüche an linke Politik in der Kommune benannt: (Stichworte) und geclustert: 

Antifaschismus und Antirassismus, Inklusion, Bündnisarbeit, Kulturförderung, Jugendförderung, Geschlechtergerechtigkeit, Bildungsmöglichkeiten (kostenloses lebenslanges lernen), Gesundheitsdienste vor Ort, Qualität der sozialen Arbeit erhöhen einschließlich Schulsozialarbeit, guter und preiswerter Wohnraum für alle, ÖPNV – gut und preiswert / bezahlbar, Verkehrsplanung (Fuß- und Radwege), Stadt der kurzen Wege (einkaufen, Schulen, Kindergärten), keine weiteren Privatisierungen / Rekommunalisierung, Wirtschaftsförderung nachhaltig und an gute Arbeit gebunden; Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, Kommunaler Klimaschutz.

Dieser Schritt hat relativ viel Zeit in Anspruch genommen und ist als Prozess der Selbstverständigung von besonderer Bedeutung.

Der Impuls „Rolle der Einwohner_innen und Bürger-innen und deren Einbeziehung“ zielt darauf ab, dass linke Politik in der Kommune weit mehr sein muss als die Arbeit in einer kommunalen Vertretung. Ohne Berücksichtigung der Verschiedenheit der Menschen (jung / alt, Frau / Mann, …) und davon abgeleitet unterschiedlicher Bedürfnisse und deren Verbindung mit der Linken ist keine erfolgreiche linke Politik in der Kommune zu betreiben.

Zunächst in Einzelarbeit wurden die Erwartungen an Kommunalpolitik, an Mandatierte, an die Partei, an sich selbst (mit oder ohne Mandat) erarbeitet und anschließend kollektiv diskutiert und beraten. Dabei zeigte sich, dass die Erwartungen an Mandatierte, an die Partei, die Vorstände nicht überzogen sind (Transparenz, Übung in leichter Sprache, nahbar sein, den Menschen Gehör schenken, Vernetzung und frauen-/familien-gerechte Arbeitsorganisation). Die Andforerungen, die die Teilnehmenden an sich selbst stellten, waren teils deutlich höher: Kinderrechte durchsetzen, Nischenthemen eine große Bühne geben, Ehrlichkeit).

Es wurde das Büchlein Crashkurs Kommune Nr. 12 vorgestellt und außerordentlich dankbar als wichtige und informative Anleitung mit nach Hause genommen: Alle Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl sollten dieses Buch an die Hand bekommen!

Bei dem Impuls Linke Kommunalpolitik in der Krise ging es um die Krise der Linken (Wahlergebnisse, Altersstruktur, Urbanisierung) sowie um die Krise der Kommunen (Übertragene Aufgaben ohne Finanzmittel, Überschuldung, Demokratie-Defizit Zukunftsverträge).

Auf Basis all dessen, was im Verlauf des Seminars erarbeitet wurde, wurden vordringliche kommunale Projekte der Teilnehmenden in Kleingruppen erarbeitet und im Plenum beraten. Dieses waren Mobilität / ÖPNV / Verkehrsplanung, Sozialarbeit / Jugendarbeit (Jugendbeiräte/Partizipation), Bildung (Schulausstattung, kurze Schulwege, kostenlose Kitas), Demokratie-Bildung, Recht auf Wohnung.

Im Rahmen der Seminarkritik wurden das Seminar und das Referententeam einerseits sehr gelobt, andererseits wurde die Erwartung ausgesprochen, die Themen etwas entspannter und vertiefter beraten zu können. Konkret wurde angeregt, dass Seminar an zwei Tagen, statt an einem Tag durchzuführen.


Am Samstag davor 24.11., fand ein sehr gut besuchtes Seminar für neue Mitglieder ebenfalls in Halle statt, das von Jenny Schulz und Tobias Baum durchgeführt wurde. Dazu erreichte uns eine sehr konstruktive Kritik, die wir hiermit öffentlich machen und für die wir uns herzlich bedanken wollen: 

»Ich habe gestern an dem Neumitglieder-Seminar in Halle teilgenommen - und mich auch schon im Vorfeld lange Zeit sehr darauf gefreut. Nun ist ein Tag vergangen - es konnte sich alles etwas setzen - und ich würde gern ein paar zusätzliche Gedanken loswerden, die gestern in der Abschlussrunde noch nicht ganz ausgereift waren.

Dass Ihr so etwas anbietet ist großartig!! Ganz lieben Dank dafür - für die Organisation, das Finanzieren und Veranstalten!

Mir sind aber ein paar Dinge aufgefallen, die zukünftig meines Erachtens zusätzlich wichtig wären. 

Die Einordnung unserer Partei in die geschichtlichen Zusammenhänge / der Werdegang zu Beginn des Seminars war wichtig - und unbedingt notwendig!!!!

Auch wenn einige Neumitglieder nicht ganz so begeistert/interessiert schienen - bitte verzichtet auf keinen Fall darauf - im Gegenteil: 

meiner Meinung nach hat das Ganze noch mehr Zeit verdient. Zeit, die meines Erachtens auch dringend benötigt wird. 

Für Diskussionen und Zeitzeugenberichte - um ein differenziertes Bild von DDR, Stasi, Sozialismus und PDS zu vermitteln. Indem Positives und Negatives genannt aber auch in Relation gesetzt wird (!) 

- über bloße Meinungen und Einzelerfahrungen von Neumitglieder hinaus, die zum größten Teil gar erst nach der Wende geboren wurden... Wahrscheinlich wuerden Genossen, die dies können und wollen am besten zu diesem Zweck eingeladen und eingeplant.

Das würde wahrscheinlich mit allem Anderen so nicht in einen Tag passen - aber auch die (wirkliche) Beschäftigung mit dem Parteiprogramm sowie das Üben vom Argumentieren hätten wesentlich mehr Zeit benötigt.

Natürlich ist da ein Spagat zu vollführen zwischen Haendelbarkeit und wichtigen, unverzichtbaren Inhalten - aber da es dabei ja um politische Bildung geht, darf auf Inhalte der Zeit wegen m. E. nicht verzichtet werden.

Als es gegen Ende des Seminars um das Thema "Argumentieren" ging, kam es mir (nicht nur in meiner Gruppe) so vor, als würde die DDR, der Sozialismus und die PDS als unangenehmer und unbequemer Teil lieber unter den Tisch fallen gelassen bzw. als schlecht akzeptiert / angesehen.

Ich denke, dass dies definitiv nicht der Wahrheit entspricht - und dass es auch extrem wichtig ist, dies allen Mitgliedern bewusst zu machen!!! 

In der heutigen Zeit zeichnen Medien und öffentliche Zeitzeugen gern einseitige Schreckensszenarien. 

Wenn wir als Mitglieder der Linken nicht schaffen, Positives und Negatives differenziert zu sehen und zu vermitteln - wer dann?!

Bitte versteht meine Mail nicht als Kritik sondern eher als leidenschaftliche Bitte - mit der Hoffnung, auch in der beschriebenen Hinsicht der heutigen Zeit etwas entgegen setzen zu können.«

Ihr seht, es gibt einen weiteren großen Bedarf an politischer Bildung in unserem Landesverband, den wir nach unseren Kräften und Möglichkeiten auch in Seminare umsetzen wollen. Und ihr seht also, linke und sehr beteiligungsorientierte Bildungsarbeit macht auch Spaß!

Euer Bildungskollektiv

Aktuelle Bildungsveranstaltungen in Sachsen-Anhalt

Neumitgliederseminar

für die Regionen Halle, Saalekreis, Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz, Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg findet am 24. November 2018 von 09:00 – 17:00 Uhr in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Leitergasse 4, 06108 Halle (Saale) statt.

Du hast in den vergangenen Monaten deinen Weg zu uns gefunden. Wir hoffen, du bist gut in der Partei DIE LINKE, im Landesverband, in deinem Kreis- bzw. Stadtverband und in deiner örtlichen Basisgruppe angekommen. 

Wir wissen, dass es nicht immer so einfach ist zu Beginn die Neue bzw. der Neue zu sein. Man kennt die Genossinnen und Genossen noch nicht, die Strukturen sind einem noch fremd und Verweise auf das Parteiprogramm lösen manchmal mehr Frage- als Ausrufezeichen aus. Wir können dich von Landesseite leider nicht mit allen Genossinnen und Genossen vor Ort bekannt machen. Dies ist ein Schritt, welchen du selbstständig gehen musst. Wir können dir aber anbieten dich mit anderen Neumitgliedern zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Auch können wir dir die Struktur der Partei erklären, dir darstellen woher die Partei DIE LINKE. kommt, mit dir stichpunktartig das Parteiprogramm betrachten und vor allem herausfinden was dir wichtig ist.

Die vollständige Einladung findest Du hier.


Linke Politik in der Kommune

Unser Seminar »Linke Politik in der Kommune« am 25. November 2018 von 09:00 – 17:00 Uhr in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Leitergasse 4, 06108 Halle (Saale) statt.

Das Seminar richtet sich an linke Kommunalpolitiker_innen, die es bereits schon sind oder ab 2019 werden möchten, aber auch an vor Ort engagierte Menschen, zum Beispiel aus Vereinen und Initiativen sowie an kommunalpolitisch Interessierte. Denn ohne die Zusammenarbeit in gemeinsamen Initiativen und den gegenseitigen Informationsaustausch wäre linke Politik in den Kommunen nicht das was sie ist: die transparente politische Entscheidungsfindung für und mit den Menschen vor Ort.

Im Mittelpunkt des Seminars steht daher die Frage „Was ist LINKS im Zusammenhang mit der Kommunalpolitik?“. Das Zusammenwirken von parlamentarischen und außerparlamentarischen Akteurinnen und Akteuren in der Kommune für eine transparente und solidarische Kommunalpolitik soll genauso betrachtet werden wie auch Mobilisierungsstrategien für gesellschaftliches Engagement.

Lust, Zeit und Neugierig? Dann melde dich bitte telefonisch unter 0391 - 732 48 40 oder per Email unter lgst@dielinke-lsa.de an. Über deine Teilnahme würden sich die Referentinnen und Referenten des Bildungskollektivs sehr freuen.

Bundesweite Bildungsveranstaltungen

Grundlagenkurs Die LINKE 1.7.

Am 8. Februar 2019 beginnt mit einem Wochenendseminar der sechste, etwa zehn Monate dauernde Grundlagenkurs Die LINKE 1.7. Eine Kombination aus internetbasiertem Lernen auf einer eigens dafür eingerichteten Plattform und vier Wochenendseminaren.

Wann geht es los und wo anmelden?

Der Kurs beginnt am 8. Februar 2019 mit einem Wochenendseminar in Schöneiche bei Berlin und endet im gleichen Jahr am 2. Dezember.

Bewerbungsschluss ist am 15. Dezember 2018. Der Fragebogen, den Ihr erhalten habt, muss ebenfalls am 15. Dezember ausgefüllt vorliegen.

Die Entscheidung über die Teilnehmenden fällt am 8. Januar 2019.

Kurz darauf werden die Zu- bzw. Absagen versendet.

Termine der Wochenendseminare für DIE LINKE 1.7 in 2019

8.2. - 10.2.2019 Eröffnungsseminar
3.5. - 5.5.2019 WE-Seminar Mensch und Gesellschaft
9.8. - 11.8.2019 WE-Seminar Pol. Theorien / Einf. PolÖk
30.11. - 2.12.2019 Abschluss-Seminar

Bewerbungsunterlagen, Seminarflyer