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8. November 2018 Andreas Höppner, Thomas Lippmann

Gegen das Vergessen, gegen das Verharmlosen

Zum 9. November 1938, dem Gedenktag an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren, erklären der Landesvorsitzende Andreas Höppner und der Fraktionsvorsitzende Thomas Lippmann: 

Es gibt wichtige zeitgeschichtliche Daten, deren Reflexion und Erinnerung wir uns als politisch Verantwortliche immer wieder stellen sollten, ja stellen müssen. Trotz des meist aufreibenden und drängenden Tagesgeschäfts gilt es vor dem Hintergrund bestimmter Ereignisse und Entwicklungen, innezuhalten, sich zu besinnen und sich der Bedeutung für unser heutiges Handeln bewusst zu werden. Der 9. November ist eines dieser wichtigen Daten.

Der Tod des Diplomaten Ernst Eduard von Rath am 9. November 1938 war ein willkommenes Ereignis um den bereits seit Jahren kontinuierlich geschürten Hass in ungezügelte Gewalt und Brutalität gegen die Juden zu entfalten. Der Tod wurde ganz bewusst als Vorwand genutzt um mörderische Gewalt zu rechtfertigen, die niemals zu rechtfertigen war und auch heute noch ist.

Wie fruchtbar dieser Schoß noch immer ist, wollten wir lange nicht wahrhaben. Die Entwicklungen der letzten Jahre und die jetzt wieder aufkommende und fortschreitende unverhohlene Nutzung nationalsozialistischer Sprachmuster und Symbolik zeigen, wie wichtig der Blick in die Vergangenheit ist und bleibt und wie dringend wir die Reflexion und Besinnung auf Ereignisse wie die Reichspogromnacht heute brauchen.

Die Ortseingangsschilder in vielen Städten und Gemeinden trugen in den späten 30er Jahren neben dem Ortsnamen auch Hinweise wie »Juden sind unser Unglück«. Heute sind es blaue Plakate mit der Aufschrift »Bürgervortrag: Warum der Islam nicht zu Deutschland gehört«.

Fast alle Synagogen und Gebetshäuser aber auch Alten- und Waisenhäuser wurden in den Novembertagen 1938 niedergebrannt und zerstört. Heute ruft die Bürgerinitiative Magdeburg zu einer Großdemonstration mit Fackelumzug für den 10. November 2018 in Magdeburg auf.

Die Novemberpogrome markieren den Wendepunkt von Ausgrenzung und Diskriminierung hin zu gezielter Verfolgung und systematischen Ermordung der Juden unter dem nationalsozialistischen Regime.

Neben den offensiven Versuchen, die Sprache des Dritten Reiches wiederzubeleben, sind es auch die wiederkehrenden Versuche, die nationalsozialistischen Verbrechen zu relativieren und zu verharmlosen, denen immer wieder entschieden widersprochen werden muss. 

Wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer äußeren Erscheinung oder einfach, weil sie scheinbar anders sind und nicht in das perfide Bild einer vermeintlich homogenen Ethnie passen, bedroht, gejagt oder angegriffen werden, dann dürfen wir nicht wieder wegschauen.

DIE LINKE. Sachsen-Anhalt unterstützt, wie schon in den vergangenen Jahren viele Veranstaltungen, die das Gedenken und das Wachhalten an die schrecklichen Ereignisse vom 9. November 1938 thematisieren. Wir begreifen dies als unsere Pflicht und sind uns dieser Verantwortung deutlich bewusst.